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Reinfeld / Stormarn - Der Wasserspiegel des Herrenteiches in Reinfeld stieg durch Schmelz- und Regenwasser derartig an, das ein provisorisches Wehr unter dem Wasserdruck zu brechen drohte. Außerdem befürchtete man, das der Damm der Landstraße L 71 durch den Druck des Wassers ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Zwei Wohnhäuser und eine Kinderstagesstätte wurden vorsorglich evakuiert.
Die Bezeichnung Teich ist eigentlich irreführend, dieses Gewässer ist ca. 2 Kilometer "lang" und etwa 250 Meter "breit", also schon mehr als See anzusprechen.
Der durch die Freiwillige Feuerwehr alarmierte THW Ortsverband Bad Oldesloe schaffte daraufhin ab Montag gefüllte Sandsäcke zur Einsatzstelle und stellte eine Verbindungsperson zur Einsatzleitung / Krisenstab ab.
Am Mittwoch Mittag wurde der Zugführer des THW Ortsverband Mölln von der Einsatzleitung telefonisch gebeten vor Ort zu erscheinen, um eine Beurteilung über einen möglichen Einsatz von Pumpen abzugeben. Daraufhin fuhren der Zugführer und der Ausbildungsbauftragte / Fachberater Wasserschaden / Pumpen, H. Pasell, gemeinsam mit dem Mannschaftstransportwagen (MTW) nach Reinfeld.
Vor Ort wurde zunächst gemeinsam mit dem Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Reinfeld, dem Bürgermeister, dem Ortsbeauftragten des THW Ortsverband Bad Oldesloe und einem Vertreter des Bauamtes eine Erkundung durchgeführt . Nach der Erkundung und telefonischen Rücksprachen mit Wasserbehörde, Polizei usw. wurde ein massiver Pumpeneinsatz beschlossen, primär um das Wehr zu entlasten. Das provisorische Wehr wurde für einen Wasserstand von 8,53 konzipiert, mittlerweile wurde dieser Wert bereits um ca. einen Meter überschritten. Eine Entwässerung konnte nur zur Trave erfolgen, die allerdings noch Hochwasser führte. Also konnte man nur begrenzt Wasser zuführen. Mit der Wasserbehörde wurde ein Wert von 40.000 bis 50.000 Litern/min. abgesprochen.
Die inzwischen für den nun kommenden Einsatz im Führungsfahrzeug der Feuerwehr und im Mannschaftstransportwagen des THW Ortsverband (OV) Mölln eingerichtete Einsatzleitung alarmierte daraufhin folgende Kräfte:
-THW OV Bad Oldesloe mit der 1. Bergungsgruppe und LogMat
-THW OV Ahrensburg mit Fachgruppe Beleuchtung
-THW OV Mölln, HH-Bergedorf, Elmshorn, Bad Segeberg, Wismar und Oldenburg/Holstein mit ihren Fachgruppen Wasserschaden/ Pumpen
- 2 Löschgruppen der Freiwilligen Feuerwehr Reinfeld zur personellen Unterstützung
- Eine Betreuungsgruppe des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Reinfeld
Die Wasserschaden/Pumpengruppe des THW OV Mölln wurde um 16Uhr50 durch die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS) über Funkalarmempfänger alarmiert.
Auf einem Parkplatz direkt am Einsatzort wurde ein Bereitstellungsraum eingerichtet und an der A1, Anschlussstelle Reinfeld, ein Lotsenfahrzeug der FF Reinfeld stationiert, welches die anrückenden Kräfte empfing und zum Einsatzort führte. Die L 71 wurde durch die Polizei für den Kraftfahrzeugverkehr voll gesperrt.
Der THW OV Ahrensburg leuchtete den Einsatzort und Bereitstellungsraum aus und sorgte für die Stromversorgung. Die nach und nach eintreffenden Pumpengruppen wurden vom Fachberater Mölln, der den gesamten technischen Einsatz leitete, eingewiesen und brachten ihre Großpumpen direkt an der Promenade in Stellung.
Mit wirklich tatkräftiger Unterstützung durch die Feuerwehrkameraden liefen dann gegen 23 Uhr alle sechs Großpumpen und mit einer Förderleistung von ca. 44.000Litern/min. konnte das Wasser über einen Ablauf zur Trave gepumpt werden.
Ein Spezialist aus dem THW OV Mölln brachte das mobile Hochwasserpegelmessgerät zum Einsatz, um den Wasserstand zu überwachen und die Einsatzleitung mit Informationen zu versorgen.
Mittlerweile hatte das DRK ein Betreuungszelt auf dem Bereitstellungsplatz aufgestellt, in dem sich die Einsatzkräfte stärken konnten und die Feuerwache Reinfeld mit Feldbetten ausgestattet, denn alles deutete jetzt schon auf einen längeren Einsatz hin.
Nachdem alle Pumpen liefen wurden alle Helfer wieder nach Hause entlassen, nur die Maschinisten und das Führungsfahrzeug der Feuerwehr blieben vor Ort. Jetzt konnten auch die letzten Möllner Kräfte, bis auf den Maschinisten, den Einsatzort verlassen. Am Donnerstag meldete die Wasserbehörde einen weiter sinkenden Pegel der Trave und gab weitere Wassermengen frei.
Sofort wurde die Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen des THW OV Stade nachalarmiert, die nach Eintreffen in Reinfeld eine weitere Großpumpe in Betrieb nahm. Jetzt konnten schon 59.000 Liter Wasser aus dem Herrenteich gepumpt werden. Das DRK versorgte weiterhin, jetzt gemeinsam oder im Wechsel mit dem Arbeiter Samariter Bund (ASB), die Einsatzkräfte. Die Fachgruppe Logistik des THW Neumünster rückte mit einem Unimog und einer Tankblase an, um das Betanken der Diesel betriebenen Hochleistungspumpen zu vereinfachen.
Der THW OV Lübeck stellte der Einsatzleitung einen äußerst kompetenten Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit zur Seite, der zahllose Interviews gab und der Presse die "Schlagzeilen" lieferte.
Bei der Lagebesprechung am Freitag um 17 Uhr stellte man nach Auswertung der Daten des Möllner Hochwasserpegelmessgerätes fest, das die Pumpmaßnahmen zwar Wirkung zeigten und der Pegel sank, die Wasserhöhe zum Teiljedoch nur einen Zentimeter pro Stunde abnahm oder gar bei Wärme (Nachlaufendes Schmelzwasser aus den Feldern) stagnierte.
Damit der Einsatz nicht unkalkulierbar lange dauern würde und um einen entscheidende Erfolg beim Entlasten des Wehres zu erreichen, welches immer noch Anlass zu Sorge gab, wurde nun beschlossen:
"Nicht kleckern, sondern klotzen!"
Zumal die Wasserbehörde die Trave jetzt ohne Begrenzung der Zuflussmenge zum Entwässern freigab.
Jetzt wurden zur Unterstützung weitere THW Fachgruppen Wasserschaden / Pumpen aus HH-Eimsbüttel, Schwerin, Bremen-Ost und Bremen-Nord alarmiert. Außerdem wurden vor Ort Elektrotauchpumpen mit einer Förderleistung von weiteren 7.000 Litern/min. installiert.
Nachdem auch die nachgeforderten Fachgruppen eingetroffen und ihre Großpumpen in Betrieb genommen hatten wurde die Pumpleistung auf insgesamt 98.000 Liter/min. (!) erhöht.
Elf Diesel betriebene Hochleistungspumpen und drei Elektropumpen waren jetzt im Einsatz. Nun wurde auch die Fachgruppe Führung und Kommunikation des THW OV Lübeck alarmiert und die gemeinsame Einsatzleitung konnte jetzt auf dessen Ausstattung zurückgreifen und "zog um"!
Den ganzen Samstag durch liefen die Pumpen auf Volllast, alle zehn Minuten verließen dabei fast eine Million Liter Wasser den Herrenteich. Bei der ersten Lagebesprechung am Sonntag konnte man aufatmen. Der massive Pumpeneinsatz hatte den entscheidenden Erfolg gebracht. Der Pegel sank und sank.
Jetzt konnten die ersten Einsatzkräfte den Rückbau beginnen und abmarschieren. Bis auf die Pumpengruppen aus Mölln, HH-Bergedorf und Bad Segeberg rückten die weiter entfernt liegenden Einheiten ab. Zusätzlich lief auch noch die Großpumpe aus Oldenburg/H., welche von den anderen Maschinisten mitbetrieben wurde.
Die E-Pumpen wurden durch einen Trupp des THW OV Mölln gegen Möllner Pumpen ausgetauscht. Bei der nächsten Lagebesprechung am Montag um 09 Uhr beschloss die Einsatzleitung, den Einsatz am Abend zu beenden, denn man hatte bereits fast den üblichen Winterpegel erreicht.
Lediglich die Messstellen des THW OV Mölln an den Zuläufen zum Herrenteich bleiben bis zum Wochenende weiter eingerichtet, um den Wasserzulauf zu überwachen und ggf. rechtzeitig reagieren zu können.
Am Abend um 18 Uhr war es dann soweit, die verbliebenen Kräfte begannen damit die letzten Pumpen abzubauen. Nachdem ein letztes Abendessen von der Betreuungsgruppe des DRK "serviert" wurde und die Helfer gestärkt waren, begann die "geordnete Materialschlacht". Schlauch um Schlauch und Pumpe um Pumpe verschwand auf den zahlreichen THW-Fahrzeugen. Auch hierbei wurden die THW Helfer durch viele hilfreichen Hände der Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Reinfeld tatkräftig unterstützt.
Die für den Rückbau nochmals komplett alarmierte Fachgruppe des THW OV Mölln, unterstützt durch Helfer der 2. Bergungsgruppe, trat um 21 Uhr den Rückmarsch an. Gegen 22 Uhr meldeten sich alle Möllner THW Fahrzeuge wieder auf Funk bei der Integrierten Regionalleitstelle Süd (IRSL) einsatzbereit zurück.
Ehrenamtliche Helfer des THW OV Mölln im Einsatz:
- Helfer der Wasserschaden / Pumpen Gruppe, unterstützt durch Helfer der 2. Bergungsgruppe am Mittwoch 03.03.2010 bei Einsatzbeginn sowie am 08.03.2010 beim Rückbau mit unterschiedlichen Personalstärken.
- Unterschiedliche Möllner Führungskräfte, Pumpen-Maschinisten, Kraftfahrer und Fachhelfer an allen Tagen und in allen Nächten in unterschiedlichen Personalstärken.
Eingesetzte Technik des THW Mölln:
- Börger Hochleistungspumpe mit einer Förderleistung von bis zu 6.000Litern/min.
- Diverse WILO Elektropumpen und Elektrotauchpumpen mit Leistungen von jeweils zwischen 1000 – 3000 Litern/min.
- Das Mobile Hochwasserpegel Messgerät zur permanenten Überwachung des Pegels an verschiedenen Messstellen.
Für weitere Einzelheiten zur Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen des THW Mölln klicken Sie bitte hier.
Eingesetzte Fahrzeuge des THW OV Mölln:
- LKW mit Ladebordwand der Wasserschaden / Pumpen Gruppe (LB-WP) mit Schlauchanhänger
- Mannschaftslastwagen –Unimog- der Wasserschaden / Pumpen Gruppe (MTW-Unimog)
- Mehrzweckkraftwagen der 2. Bergungsgruppe (MZKW)
- Mannschaftstransportwagen (MTW) des Zugtrupps als Einsatzleitfahrzeug
Presseberichte aus dem Onlineangebot der Lübecker Nachrichten:
- LN-Online Nachrichten vom Einsatzbeginn am Abend des 03.03.2010 (bitte klicken) mit Fotos
- LN-Online Nachrichten vom Einsatzende am 08.03.2010 (bitte klicken) mit Foto
Mölln, 08.03.2010 Einsatzprotokoll: B. Albrecht (ZuFü) – Bericht: T. Bleuß
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Bilder oben: Zusammenkuppeln der Saugschläuche durch Möllner Helfer; u.links: Hochleistungspumpen im Einsatz, u.rechts: Laufende Kontrolle des Pegels mit dem mobilen Pegelmessgerät des OV Mölln, bedient durch Möllner Spezialisten (Fotos: Th. Schultz) |
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Hochleistungspumpen mit Förderleistungen von bis zu 15.000 Liter pro Minute waren seit vergangenen Mittwoch pausenlos im Einsatz. (Foto: D. Lüders) |
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Der Großeinsatz ist erfolgreich beendet. Bis zu elf Hochleistungspumpen pumpten bis zu knapp 100.000 Liter pro Minute insgesamt gigantische rd. 429.110.000 Liter Wasser aus den Herrenteich in Reinfeld (Foto: THW GFB Lübeck) |
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